Bio auf der Langstrecke - Biorunner und Marathon

Thomas Wolff läuft Marathon und wirbt dabei für Bio-Produkte. Die Verbindung kommt nicht von ungefähr. Über Freud und Leid eines Marathoni und über das Team Bio-Runner plaudert er aus dem Nähkästchen. // Martin Fütterer, Fotos: Uli Schwab

Wie fühlt man sich nach einem Marathon?

Großartig! Dieses Jahr war es besonders schön. Ich habe so bei Kilometer 33 geschwächelt, meine Trainingsvorbereitung war nicht besonders gut. Und dann kamen zwei andere Läufer aus unserem Bio-Runner-Team von hinten, haben mir auf die Schulter geklopft und da gings schon wieder besser. Wir sind dann gleichzeitig im Ziel eingelaufen, wirklich – ein tolles Gefühl!

Und wie fühlt man sich am Tag danach?

Wie eine Schnecke. Alles geht gaaanz laaangsam.

Die Treppe nur noch rückwärts runter?

Ja, rauf gehts ja, aber runterlaufen ist die Hölle. Nach einem Marathon muss man wirklich auf sich achten und ein paar Tage langsam tun.

Kann es sein, dass das Marathontraining gesund ist, der Wettkampf aber nicht?

Das würde ich so nicht sagen. Es hängt davon ab, wie ehrgeizig man war. Wer eine Spitzenzeit laufen will, nimmt natürlich weniger Rücksicht. Aber wenn man vor allem zum Spaß läuft und vielleicht auch noch im Team, dann wird man sich nicht so verausgaben. 2005 bin ich das erste Mal nach zwanzig Jahren wieder Marathon gelaufen und war danach so fit, dass ich noch den ganzen Tag auf unserer „Bio-Meile“ rumgehangen bin.

Was ist denn eine Bio-Meile?

Das ist die „dritte Säule“ unserer Bio-Aktion rund um den Frankfurter Marathon. Die ersten zwei Säulen: Wir besorgen und sponsern die Läuferverpflegung für alle Teilnehmer – alles in Bio. Und wir nehmen selbst als „Bio-Runner“ am Marathon teil. Drittens bauen die Sponsoren einige Bewirtungsstände an der Strecke auf, da gibts dann Bio-Bratwurst und Bio-Weizenbier für die Zuschauer, das ist dann unsere Bio-Meile.

Wie kam es denn zu dieser Aktion?

2005 kamen die Veranstalter des Frankfurter Marathon auf uns zu, weil sie die Läuferverpflegung gerne komplett in Bio haben wollten – und das am besten geschenkt, also gesponsert. Uns als kleinen Marktbeschicker hat das gleich mal überfordert, immerhin geht es da um sieben Tonnen Bananen, eine Tonne Äpfel und etliche Hundert Kilogramm Trauben. Also haben wir über den Gesprächskreis im Frankfurter Umweltforum andere regionale Bio-Unternehmen angesprochen – und alle haben sofort mitgemacht. Und da witterte ich Morgenluft!

Wieso das denn?

Ich bin schon in den 80ern Marathon gelaufen, aber wegen des Betriebes und der Familie hat das dann aufgehört. Und dann kam diese Anfrage und ich dachte – Mensch, nach zwanzig Jahren könntest du doch mal wieder richtig laufen. Aber alleine wollte ich nicht, also haben wir die Bio-Runner erfunden und schon im ersten Jahr sind 130 Menschen unter diesem Motto mitgelaufen.

Du sagst: „Richtig laufen.“ Alles unter einem Marathon ist wohl nicht „richtig“?

Ja, der Marathon ist schon was Besonderes. Da muss man an seine Grenzen gehen. Bungee-Springen ist natürlich auch eine Grenzerfahrung, doch das kann man ganz spontan. Aber ein Marathon ist ein Ziel, für das man erst mal eine ganze Weile arbeiten muss.

Sind Marathonis ein besonderer Club?

Durchaus.

Marathonis fragen sehr schnell nach den Wettkampfzeiten. Gibt es im „Club“ doch wieder verschiedene Klassen?

Zumindest wir bei den Bio-Runnern schauen niemanden schief an, nur weil er mehr als vier Stunden braucht. Und generell gilt auch: Ankommen allein ist eine respektable Leistung. Es ist keine Schande, wenn man zwischendrin eine Strecke gehen muss – aber dann doch bis zum Ende durchhält. Einer der Bio-Runner ist im ersten Jahr 18 km gegangen, weil es bei Kilometer 25 einfach nicht mehr ging mit dem Laufen. Toll!

Ist das Ankommen eine reine Willensfrage oder muss man doch mal ganz passen?

Es soll sich keiner einen Schaden antun. Manchmal ist auch mit Willenskraft nichts zu machen. Ich musste dieses Jahr bei einem 10-Kilometer-Lauf schon nach der Hälfte abbrechen. Aber ich muss sagen: Die Bio-Runner hatten dieses Jahr sehr wenig Abbrecher. Nur 3 von 108 Läufern, die auf die ganze Distanz gemeldet waren. Insgesamt waren wir übrigens das zweitstärkste Team mit 227 Teilnehmern. Neben denen, die die volle Distanz liefen, hatten wir 28 Staffeln, wo sich je vier Läufer die Strecke aufteilen, und sieben Minimarathonis – das sind Kinder, die 4,2 Kilometer laufen.

Ist es Zufall, dass die Bio-Runner so gut durchkamen?

Nein, kein Zufall, denke ich. Auf einen Marathon muss man sich vorbereiten, einen Plan haben, sowohl für das Training als auch für den Lauf selbst. Im Team bekommt man Fachwissen und Motivation, den Plan auch durchzuziehen. Da hat man gegenüber den Einzelläufern schon einen Vorteil.

Spielt Ernährung eine Rolle?

Auf jeden Fall! Zum Beispiel muss man den Körper über Wochen daran gewöhnen, mehr Wasser aufzunehmen und zu speichern. Sonst kann man beim Wettkampf noch so viel trinken – man muss nur dauernd pinkeln, und das ist der Super-GAU für einen Marathoni.

Feste Nahrung?

Auch kein Thema, das man erst am Abend vor dem Wettkampf angehen sollte. Gut ist: Ausgewogen und vollwertig, mit oder ohne Fleisch und natürlich am besten bio. Nur kein Müsli am Wettkampftag – sonst muss man nicht nur pinkeln sondern auch k..k... Katastrophe! Für diese extreme Langstrecke muss der Körper einen ganz anderen Stoffwechsel lernen. Er muss lernen, auch vom Fett zu zehren, nicht nur von den Kohlenhydraten. Die sind bei Kilometer 35 spätestens aus. Und dann kommt, wie die Marathonis sagen, der Mann mit dem Hammer. Wer sich ausgewogen ernährt, der kann auch die Fettreserven mobilisieren – die isotonischen Sportgetränke reißen es nämlich nicht raus.

Der nächste Frankfurt Marathon ist im Oktober 2008. Reicht das noch für Interessierte, sich vorzubereiten?

Wer schon regelmäßig Sport treibt, kann es in sechs Monaten schaffen. Ansonsten gilt: 12 Monate sind das Minimum.

Marathon und Bio – eine gute Verbindung?

Ich bin erst Marathon gelaufen – habe dadurch begonnen, mich für Ernährung zu interessieren, bin zwangsläufig bei Bio gelandet und habe dann Bio zu meinem Broterwerb gemacht. Beantwortet das die Frage ...?

Thomas Wolff

Als Läufer stieß Thomas Wolff auf die Themen Ernährung und Bio und widmete ab 1984 Bio auch seine berufliche Zukunft. Er absolvierte je eine Lehre in Bioland-Landwirtschaft und Bioland-Gemüsebau. 1985 lief er 24-jährig seinen ersten Marathon. 1988 machte er sich mit seiner Firma Querbeet selbstständig und begann, Bio auf Wochenmärkten in und um Frankfurt zu vertreiben. Seit 2003 hat er auch in der Kleinmarkthalle in Frankfurt einen Stand. Im Alter von 43 ist Thomas Wolff nach zwanzig Jahren Laufabstinenz wieder eingestiegen – mit den Bio-Runners, einem Läuferteam, das er mit erfunden hat. Beim Frankfurt Marathon 2007 waren die Bio-Runner mit 227 Läufern das zweitstärkste Team. www.biorunner.de


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Bild von Martin Fütterer

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Martin

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