Interview: Extrem glücklicher Verlauf, Ayurveda Behandlung von chronischer Polyarthritis - Dr. D. Pick

Die Chronische Polyarthritis ist eine Autoimmunerkrankung mit ungünstiger Prognose. Spontane Besserungen sind selten. Im Gespräch erläutert die Rheumatologin Dr. D. Pick, warum die Krankheit bei einer ihrer Patientinnen dennoch einen unerwartet glücklichen Verlauf nahm. // Martin Fütterer

Sehr geehrte Frau Dr. Pick, ihrer Patientin Katja Schlagloth ging es im Jahre 2000 gar nicht gut. Wie war der Befund?

Frau Schlagloth hatte starke Schwellungen an vielen Gelenken: Füße, Fingergelenke, Schultern, Ellenbogen. Sie hatte starke Schmerzen und war sehr unglücklich.

Wie war der Laborbefund?

Sie hatte einen Rheumafaktor,wie er für eine chronische Polyarthritis typisch sein kann, da er nicht spezifisch ist. Rheumafaktoren sind Produkte des Immunsystems, welches aktiviert ist und sich gegen den eigenen Organismus richten kann, in diesem Fall gegen den Knorpel und später die Knochen in den Gelenken. Deswegen spricht man auch von einer Autoimmunerkrankung.

Wie haben Sie behandelt?

Das klinische Bild war anfangs nicht ganz typisch, auch waren die Entzündungswerte normal, so dass ich Frau Schlagloth zunächst eine radioaktive Spritze, kombiniert mit Kortison in das rechte Schultergelenk verabreichen ließ, mit deutlicher Besserung. Es folgten noch radioaktive Spritzen in einzelne Zehengelenke, die versorgten Gelenke waren danach schmerzfrei. Die Erkrankung schritt jedoch fort. 2001 habe ich mich dann auf die Diagnose seropositive, chronische Polyarthritis mit atypischem Beginn festgelegt.

Warum erst so spät?

Das Muster des Gelenkbefalls war anfangs nicht ganz typisch für eine chronische Polyarthritis gewesen. Sie hatte zwar Schmerzen an Ellenbogen, Fingern, Füßen und Schultern, aber die Hände waren nicht geschwollen. Natürlich handelt es sich trotzdem eindeutig um eine rheumatische Erkrankung.

Hatte sich die Erkrankung verbessert?

Lokal teilweise, insgesamt nicht. Frau Schlagloth konnte nicht mehr arbeiten.

Wie war ihre Prognose?

Bei der klassischen chronischen Polyarthritis ist die Prognose ohne Therapie nicht gut. Man kann die Zerstörung oft nur verlangsamen, bestenfalls den Zustand erhalten. „Biologicals“, biotechnologisch hergestellte Medikamente, die damals ganz neu auf dem Markt waren, kamen im Stadium der Patientin nicht in Frage. Mit diesen gelingt auch ein Stoppen der Röntgenprogredienz, also des Krankheitsfortschrittes.

Sind rheumatische Erkrankungen insgesamt schwer heilbar?

Das ist sehr heterogen. Manche Formen können vollständig geheilt werden, andere nicht.

Wie entwickelte sich das bei Frau Schlagloth weiter?

Ich sah die Patientin zwischen 2001 und 2003 nicht. Sie entwickelte in dieser Zeit eine sehr schmerzhafte, Rheumafaktor positive chronische Polyarthritis, mit langer Morgensteife. Deshalb wurde 2002 eine Basistherapie mit Methotrexat eingeleitet. Dies ist die klassische Vorgehensweise. Mitte 2003 musste sie diese Behandlung wegen starker Nebenwirkungen wieder absetzen. Sie kam mit einer hochfloriden chronischen Polyarthritis wieder zu mir. Eine Behandlung mit Chloroquin vertrug sie ebenfalls schlecht. Sie hatte zwischenzeitlich mit einer konsequenten Ernährungsumstellung einen guten Erfolg erreicht und wohl auch schon mit etwas Ayurveda begonnen.

Wie sah die Ernährung aus?

Rein vegetarisch, auch keine Eier und Milchprodukte mehr. Sie hatte nach einiger Zeit nur noch Restschmerzen, wenn auch die Bewegungseinschränkungen blieben und ein Handgelenk durch Arthrose zerstört war. Ich habe sie dann erst 2009 wieder in meiner Praxis gesehen.

In welchem Zustand?

Die Krankheit hatte bei Frau Schlagloth einen extrem glücklichen Verlauf genommen. Sie hatte sich mehre Jahre immer wieder einer Ayurveda-Behandlung in Indien unterzogen. Ihr CCP-Wert war zwar positiv, diesen Wert haben wir seit etwa 2006 routinemäßig zur Verfügung, womit sich letztlich die Diagnose der chronischen Polyarthritis noch einmal bestätigte. Die Beschwerden waren aber stark zurückgegangen und die Bewegungsfähigkeit weitgehend wieder hergestellt. Leider war die Zerstörung eines Handgelenkes dennoch weiter fortgeschritten.

Führen Sie die Besserung auf die Ayurveda-Behandlung zurück?

Das kann ich schwer beurteilen, dafür habe ich einfach zu wenig Erfahrung mit Ayurveda. Ich habe nur zwei weitere Patientinnen, die Ayurveda in Anspruch genommen haben. Die eine hatte damit keinen Erfolg, allerdings war die Erkrankung bei ihr weiter fortgeschritten als bei Frau Schlagloth. Leider hat sich nach ihrer Rückkehr in Deutschland herausgestellt, dass sie durch die ayurvedischen Medikamente stark mit Blei belastet war. Da sind die Qualitäten in Indien wohl sehr unterschiedlich. Diese Patientin erhielt ebenfalls ein „Biological“.

Und die andere Patientin?

Die andere Patientin, eine indische Nonne und Krankenschwester, die hier in Deutschland lebt, hat sich im Urlaub immer wieder mit einigem Erfolg ayurvedisch behandeln lassen. Das erfordert aber soviel Zeit, mehrere Wochen pro Kur, dass auch sie sich von mir schulmedizinisch behandeln lassen musste, mit Erfolg. Diese Patientin erhielt ein „Biological“, da die Erkrankung zu aktiv war.

Was hat dann die starke Verbesserung bei Frau Schlagloth ausgelöst?

Frau Schlagloth hatte schon mit der Ernährungsumstellung mehr Erfolg als alle anderen Patienten, die ich kenne. Ich glaube, sie ist einfach sehr konsequent und willensstark. Eine gut strukturierte Powerfrau, die ich auch persönlich sehr sympathisch finde. Was immer sie als Weg zu ihrer Gesundung gewählt hat, sie hat da sicher keine halben Sachen gemacht. Wie ich höre, verlangt Ayurveda den Patienten einiges an Disziplin und Konsequenz ab, die hat Frau Schlagloth sicher aufgebracht.

Also ein glücklicher Einzelfall?

Die Persönlichkeit hat hier sicher sehr dazu beigetragen. Wie weit Ayurveda generell hilft, kann ich nicht sagen, für Frau Schlagloth war es eindeutig das Richtige. Ich würde Patienten auf keinen Fall davon abraten, allerdings sollten sie sich bei der Wahl der Klinik gut beraten lassen, ob die Medikamente auf Schwermetall und andere Belastungen geprüft sind.

Dr.med. Dorothea Pick ...
... ist eine schulmedizinisch ausgebildete und arbeitende Rheumatologin, mit vorsichtiger Offenheit für Alternativmedizin, solange sie sinnvoll in ein Gesamtkonzept passt.

Ihre Praxis ist in Grafschaft bei Bad Neuenahr-Ahrweiler.
www.rheumapraxis-grafschaft.de

Die ayurvedischen Kuren für Katja Schlagloth wurden vermittelt von www.globalveda.de


Über den Autor

Bild von Martin Fütterer

Vorname
Martin

Nachname
Fütterer

Benutzeranmeldung

maennerherz bookmarken!

Newsfeeds

Inhalt abgleichen

drupal-typo3-hosting.gif


Bookmark and Share

Neueste Kommentare

Termine