Mitunter erkennen Eltern ihre pubertierenden Kinder nicht wieder – so stark sind die körperlichen und seelischen Veränderungen, die Jungen und Mädchen durchmachen. Seit es Neurologen möglich ist, Jugendlichen in den Kopf zu schauen, lässt sich nach und nach erschließen, weshalb sie oft so seltsam sind. Mit den Hirnscans war es Forschern plötzlich möglich, Einblicke in vormals verschlossene Teenager-Hirne zu gewinnen, und zwar regelmäßig und ohne belastende Strahlendosen.

Jay Giedd, selbst Vater von vier Kindern, hat dies am längsten und ausführlichsten getan. Seit 1991 brechen er und seine Kollegen immer wieder zu Expeditionen in die Köpfe amerikanischer Teens auf – und kehren mit höchst erstaunlichen Ergebnissen zurück. Anstelle eines fertig ausgebildeten Organs mit fest etablierten Strukturen entdeckten die Forscher im Schädelinneren eine höchst betriebsame Baustelle, auf der ständig Gerüste errichtet, neue Verbindungen gelegt und alte wieder abgerissen wurden. Viele Bauabschnitte, die man längst abgeschlossen gewähnt hatte, wurden gerade erst neu vermessen, andere befanden sich offensichtlich in einer Phase fortgesetzter Restaurierung. "Das Gehirn", so Giedd, "entwickelt sich in den Teenagerjahren weitaus dynamischer, als wir es vermutet hatten."

Damit verblasste das alte Bild vom Fast-Erwachsenen, der bis auf ein paar überschwappende Hormone "biologisch fertig" ist. Und genau so, wie Heranwachsende plötzlich alles infrage stellen, was die Elterngeneration ihnen über das Leben weismachen will, bezweifeln Wissenschaftler seither vieles von dem, was sie über Pubertierende zu wissen glaubten. Mehr: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,556357,00.html

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