Besser Scharia als garkein Recht?

Als die pakistanische Regierung im Swat-Tal die Scharia zuließ, brachen viele Menschen in Jubel aus. Warum? Weil sie zum einen hoffen, dass damit die grausamen Kämpfe ein Ende finden werden. Zum anderen haben die Behörden Sufi Mohammed, den historischen Führer der TNSM, freigelassen. Er vertritt eine – jedenfalls nach der Einigung mit der Regierung in Islamabad – mildere Variante der Scharia als sein Schwiegersohn. Sie sieht keine Enthauptungen vor, keine abgehackten Hände, kein Arbeitsverbot für Frauen und auch nicht das Verbot zu studieren. Alles in allem ist Sufi Mohammeds Scharia vom Paschthunwali, dem Stammesrecht der Paschtunen, durchwirkt. Dabei handelt es sich gewiss nicht um ein rechtsstaatliches System im westlichen Sinne, doch gibt es den Menschen zumindest eine Form von nachvollziehbarer, akzeptierter und wirksamer Rechtsprechung.

Das ist sehr viel in einem Land, in dem die einfachen Menschen Opfer von Willkür sind, gegen die sie sich praktisch nicht wehren können. Pakistaner, die vor einem staatlichen Gericht klagen, kommen so gut wie nie zu ihrem Recht – es sei denn, sie verfügen über viel Geld. Die Scharia, von der jetzt im Swat-Tal die Rede ist, soll aber vor allem das garantieren: dass die Menschen zu ihrem Recht kommen, schnell, billig und effizient. Letztlich füllt die Scharia das Vakuum, das der Staat aufgrund von Korruption und Inkompetenz nicht füllen will. Oder nicht füllen kann, weil er gar nicht mehr existiert.

Noch ein anderes Land hat gerade durch die »Einführung« der Scharia Schlagzeilen gemacht: Somalia. Sheik Sharif Achmed heißt der Verantwortliche. Somalias neuer Präsident, frisch gewählt von einem Übergangsparlament, das aus Sicherheitsgründen in Dschibuti tagen muss, gilt als Hoffnungsträger der internationalen Gemeinschaft. Nun hat er, so scheint es, seinen Ruf als »gemäßigter Islamist« schon wieder verspielt. Dabei hat Achmed lediglich verkündet, was in Somalia gängige Praxis ist. In einem Land, das wie kein zweites von Krieg zerstört worden ist, sind lokale Scharia-Gerichte seit Jahren die einzige Ordnungsmacht.

Mehr: Religiöses Gesetz: Die Scharia sorgt im Islam für Ordnung | International | Nachrichten auf ZEIT ONLINE


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